
Neue Interpol-Richtlinien 2026: Was sich bei internationalen Fahndungen ändert
Die Interpol Red Notice 2026 Neuerungen verändern spürbar, wie Betroffene gegen internationale Fahndungsersuchen vorgehen können. Grundlage sind unter anderem die Änderungen des Statuts der Kommission zur Kontrolle der INTERPOL-Akten (CCF), die auf der 93. Generalversammlung im November 2025 in Marrakesch beschlossen wurden. Die offizielle Darstellung der CCF
erläutert die wesentlichen Änderungen und ihre rechtliche Grundlage. Wer von einer Red Notice betroffen ist oder eine Ausschreibung befürchtet, sollte die neuen Fristen, Zuständigkeiten und Verfahrenswege kennen — unsere Kanzlei berät Sie zu jedem Schritt.
Interpol Reform 2026: Ausgangslage und Zeitplan
Die aktuelle Interpol Reform 2026 geht auf eine mehrjährige Überarbeitung der CCF-Regeln zurück. Die 93. Generalversammlung von INTERPOL fand vom 24. bis 27. November 2025 in Marrakesch statt. Die offizielle Dokumentation der 93. Generalversammlung bestätigt den Tagungszeitraum und die Rolle der Generalversammlung als oberstes Organ der Organisation.
Der Reformdruck resultiert auch aus der gestiegenen Arbeitslast der Kommission. Im Jahr 2024 registrierte die CCF 2.586 neue zulässige Anträge auf Zugang, Löschung oder Revision – die höchste Zahl seit Bestehen des Gremiums. 70 Prozent der Zugangsanträge benötigten mehr als vier Monate Bearbeitungszeit; bei den Löschungsanträgen dauerte die Bearbeitung in 30 Prozent der Fälle mehr als neun Monate. Diese Zahlen sind im offiziellen CCF-Jahresbericht für 2024 dokumentiert.
Generalversammlung Interpol in Marrakesch: Die Beschlüsse der 93. Session
Die 93. Generalversammlung Interpol fand vom 24. bis 27. November 2025 in Marrakesch statt. Die offizielle Mitteilung von INTERPOL bestätigt den Tagungsort und die Daten der Sitzung.
Resolution Nr. 7 – Transparenz und Vertraulichkeit
Neben den CCF-spezifischen Änderungen nahm die Generalversammlung Resolution Nr. 7 zur Balance zwischen Vertraulichkeit und Transparenz an. Die offizielle Resolution GA-2025-93-RES-07 änderte unter anderem Bestimmungen der General Regulations und der Rules of Procedure der Generalversammlung. Die Änderungen traten nach der 93. Sitzung der Generalversammlung in Kraft.
Für die CCF-Praxis ist zugleich relevant, dass die CCF anonymisierte Auszüge bestimmter Entscheidungen veröffentlichen kann. INTERPOL stellt klar, dass nicht sämtliche Entscheidungen veröffentlicht werden und personenbezogene Informationen nicht veröffentlicht werden.
Neue CCF Verfahren ab 2026
Die neuen CCF-Verfahren betreffen vor allem den Zugangsweg zur Kommission und bestimmte interne Prüfschritte vor einer Entscheidung. Die aktuellen Informationen von INTERPOL zur CCF enthalten die derzeit geltenden Änderungen.
Pflicht zum Online-Portal seit dem 26. März 2026
Seit 10:00 Uhr MEZ am Donnerstag, dem 26. März 2026, müssen sämtliche Anträge an die CCF grundsätzlich über das neue, eigens eingerichtete gesicherte Online-Portal eingereicht werden. Anträge per E-Mail oder Post werden seither nicht mehr angenommen, sofern die Kommission nicht ausnahmsweise besondere Umstände nach Regel 25 Absatz 2 der CCF-Verfahrensordnung feststellt. Antragsteller erhalten über das Portal zudem Einsicht in den Schriftverkehr und die Entscheidungen zu ihrem Fall. INTERPOL
Präventivanfragen
Präventive Anfragen sind kein vollständig neuer Mechanismus des Jahres 2026. Die CCF hat solche Anfragen bereits früher behandelt. Die aktuellen CCF-Regeln und Informationen bestimmen vielmehr, wie Anträge und andere Eingaben an die Kommission über das neue Portal eingereicht werden. Die offiziellen CCF-Informationen beschreiben den derzeitigen Verfahrensrahmen.
| Verfahrensschritt | Bis 2024 | Ab 2026 |
|---|---|---|
| Antragskanal | E-Mail, Post, teils Fax | Grundsätzlich Online-Portal |
| Prüfung durch Generalsekretariat | Parallel zur CCF-Prüfung | In bestimmten Fällen Vorabprüfung der Compliance vor CCF-Entscheidung |
| Präventive Meldung | Bereits bestehender Verfahrensweg | Weiterhin nach den geltenden CCF-Regeln möglich |
| Transparenz der Entscheidungen | Teilweise anonymisierte Veröffentlichungen | Weiterhin Veröffentlichung ausgewählter anonymisierter Entscheidungen |
Änderungen Interpol Statut: Die wichtigsten Artikel
Die Änderungen des CCF-Statuts betreffen mehrere Kernbereiche, die für die Verteidigung gegen eine Red Notice relevant sein können.
Artikel 33 – Fristen und Vorabprüfung
Das Generalsekretariat muss die CCF innerhalb von 45 Tagen nach Eingang eines Antrags darüber informieren, ob Daten zum Antragsteller im Interpol-Informationssystem verarbeitet werden (Art. 33 Abs. 2). Geht ein zulässiger Antrag zeitgleich mit einer laufenden Überprüfung derselben Person durch das Generalsekretariat ein, entscheidet dieses zunächst über die Regelkonformität, bevor die CCF ihre eigene Prüfung beginnt (Art. 33 Abs. 5). Diese Punkte werden ausdrücklich auf der offiziellen CCF-Seite von INTERPOL erläutert.
Artikel 37 – Einstweilige Maßnahmen
Bei Anträgen auf einstweilige Maßnahmen können die geltenden Verfahrensregeln eine vorherige Prüfung durch das Generalsekretariat vorsehen. Die konkreten Voraussetzungen ergeben sich aus dem aktuellen CCF-Statut und den CCF Operating Rules 2026.
Artikel 42 – Revisionsanträge
Ein Revisionsantrag setzt grundsätzlich eine neu entdeckte Tatsache voraus, die zu einer anderen Entscheidung hätte führen können. Nach den offiziellen CCF-Informationen muss ein Antrag auf Revision innerhalb von sechs Monaten nach Entdeckung der relevanten Tatsache gestellt werden und die neuen Tatsachen oder Entwicklungen konkret darlegen.
Zuständigkeitsgrenzen der Kommission
Die CCF darf Informationen, die direkt zwischen Nationalen Zentralbüros (NCB) ausgetauscht werden, grundsätzlich nicht überprüfen – außer bei einem gemeldeten schwerwiegenden Verstoß gegen Interpol-Regeln, der ihr auf demselben Weg wie dem Generalsekretariat zur Kenntnis gebracht wird. Der Zugang zu Informationen, die von der CCF an das Generalsekretariat übermittelt werden, bleibt zudem auf autorisiertes Personal beschränkt. Diese Grenzen sind in den aktuellen Informationen zur CCF beschrieben.
Kritik von Menschenrechtsorganisationen
Nicht alle Beobachter bewerten die Reform positiv:
- Fachjuristen weisen darauf hin, dass eine verstärkte Rolle des Committee on the Processing of Data und ausführender Stellen Fragen nach der praktischen Unabhängigkeit der CCF aufwerfen kann.
- Menschenrechtsorganisationen und Fachjuristen diskutieren mögliche Auswirkungen längerer oder zusätzlicher Prüfschritte auf den effektiven Rechtsschutz.
- Die CCF selbst weist in ihrem Jahresbericht für 2024 auf erhebliche Bearbeitungsverzögerungen hin. 70 Prozent der Zugangsanträge dauerten länger als vier Monate, während 30 Prozent der Löschungsanträge länger als neun Monate benötigten. CCF Annual Activity Report 2024
- Zugleich wurden 2025 Änderungen beschlossen, die unter anderem den Umgang mit Governance-Informationen und das Verhältnis zwischen Transparenz und Vertraulichkeit betreffen. Resolution GA-2025-93-RES-07
Praktische Folgen für Betroffene eines Red Notice
Für Personen, die eine Red Notice anfechten oder eine solche verhindern wollen, ergeben sich aus den aktuellen Regeln konkrete Handlungsschritte:
- Anträge grundsätzlich über das neue Online-Portal einreichen.
- Bei drohender Ausschreibung frühzeitig prüfen, ob eine präventive Anfrage oder ein anderer предусмотренный CCF-Verfahrensweg in Betracht kommt.
- Bei Eilanträgen die geltenden Voraussetzungen und möglichen zusätzlichen Prüfschritte berücksichtigen.
- Für Revisionsanträge gezielt neue Tatsachen oder Beweismittel sammeln, da eine bloße Wiederholung früherer Argumente grundsätzlich nicht ausreicht.
- Bei der eigenen Fristenplanung die tatsächliche Bearbeitungsdauer der CCF berücksichtigen, die laut offiziellem Jahresbericht 2024 teilweise erheblich über vier Monaten lag.
FAQ zu den Interpol-Neuerungen 2026
Ab wann gilt das neue CCF-Portal verbindlich?
Seit dem 26. März 2026, 10:00 Uhr MEZ, ist das Online-Portal grundsätzlich der einzige Einreichungsweg für CCF-Anträge. Ausnahmen sind bei besonderen Umständen nach Rule 25(2) möglich.
Was ist eine Präventivanfrage?
Eine präventive Anfrage ermöglicht es, die CCF mit einem möglichen Problem der Verarbeitung von Daten über eine Person zu befassen, bevor eine konkrete neue Ausschreibung oder ein entsprechender Datensatz Gegenstand eines späteren Verfahrens wird. Solche Anfragen sind kein erst 2025 eingeführtes Verfahren; sie wurden von der CCF bereits früher behandelt.
Verlängert die Reform die Bearbeitungsdauer?
Die Auswirkungen auf die durchschnittliche Bearbeitungsdauer lassen sich noch nicht abschließend beurteilen. Die offiziellen Zahlen für 2024 zeigen jedoch bereits erhebliche Verzögerungen: 70 Prozent der Zugangsanträge dauerten länger als vier Monate, 30 Prozent der Löschungsanträge länger als neun Monate. INTERPOL CCF Annual Activity Report 2024
Die Statuten- und Verfahrensänderungen 2025/2026 sind für Betroffene insbesondere deshalb relevant, weil sich einzelne Verfahrensschritte, Einreichungswege und Zuständigkeiten verändert haben. Wer von einer Red Notice betroffen ist oder eine mögliche Ausschreibung befürchtet, kann die aktuelle Situation zunächst anhand der offiziellen CCF-Regeln prüfen und anschließend entscheiden, ob eine individuelle rechtliche Beratung sinnvoll ist.

