
MiCA Juli 2026: Warum dokumentierte Compliance nicht mehr ausreicht — und was Unternehmen jetzt ändern müssen
Am 1. Juli 2026 endet die Übergangsfrist nach Artikel 143 Absatz 3 der Verordnung (EU) 2023/1114 (MiCA), und alle Krypto-Dienstleister ohne erteilte CASP-Zulassung müssen ihre Tätigkeit im EU-Markt einstellen. Ab diesem Stichtag reicht dokumentierte Compliance nicht mehr aus: Regulierungsbehörden prüfen operative Umsetzung, nicht Ordner voller Prozessdokumente. Unternehmen, die nur auf dem Papier compliant sind, riskieren Betriebsuntersagungen, Bußgelder und den Verlust bestehender Kundenbeziehungen.

Was ändert sich am 1. Juli 2026 – und warum Compliance-Papiere allein nicht ausreichen?
Der 1. Juli 2026 markiert das Ende der Übergangsfrist nach Artikel 143 Absatz 3 der Verordnung (EU) 2023/1114. Ab diesem Datum dürfen Krypto-Dienstleister ohne erteilte CASP-Zulassung im EU-Binnenmarkt nicht mehr tätig sein. Die Übergangsfrist gilt nur für Unternehmen, die vor dem 30. Dezember 2024 unter nationalem Recht registriert waren und bis spätestens 1. Juli 2025 einen vollständigen Lizenzantrag gestellt haben. Ein anhängiger Antrag verlängert die Betriebsbefugnis nicht automatisch: Nur die tatsächlich erteilte Zulassung erlaubt den weiteren Betrieb.
MiCA verlangt mehr als dokumentierte Absichtserklärungen. Die Verordnung definiert Anforderungen funktional, nicht dokumentorisch. Artikel 68 der Verordnung (EU) 2023/1114 legt organisatorische Anforderungen fest, die operative Kontrollen, klare Verantwortlichkeiten und wirksame Risikomanagement-Systeme einschließen. Regulierungsbehörden wie die BaFin prüfen bei Audits und Inspektionen nicht die Vollständigkeit von PDF-Handbüchern, sondern die Wirksamkeit implementierter Prozesse und deren laufende Überwachung.
Die Unterscheidung zwischen dokumentierter und gelebter Compliance ist entscheidend. Dokumentierte Compliance bedeutet, dass Prozesse, Richtlinien und Verfahren schriftlich festgehalten sind. Gelebte Compliance bedeutet, dass diese Prozesse tatsächlich umgesetzt, überwacht und bei Bedarf angepasst werden. Regulierungsbehörden fokussieren seit 2025 zunehmend auf die operative Lücke zwischen beiden: Unternehmen, die hervorragende Compliance-Dokumentation vorweisen, aber keine nachweisbaren Kontrollen implementiert haben, werden mit Bußgeldern und Betriebsuntersagungen konfrontiert.
In Deutschland endete die nationale Übergangsfrist bereits am 30. Dezember 2025. Krypto-Dienstleister, die nach diesem Datum ohne CASP-Lizenz tätig sind, handeln rechtswidrig. Die BaFin hat angekündigt, ab Juli 2026 verstärkt Inspektionen durchzuführen und nicht lizenzierte Anbieter aus dem Markt zu entfernen. Unternehmen sollten nicht darauf vertrauen, dass ein eingereichte Antrag als Schutz wirkt: Nur die erteilte Zulassung sichert den Fortbestand des Geschäftsbetriebs.
MiCA Juli 2026
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Anwalt kontaktieren →Welche konkreten MiCA-Anforderungen verlangen mehr als nur Dokumentation?
Artikel 68 der Verordnung (EU) 2023/1114 verlangt, dass CASP über solide Governance-Regelungen verfügen, einschließlich klarer Organisationsstruktur, effektiver Verfahren zur Ermittlung, Steuerung und Offenlegung von Interessenkonflikten sowie eines wirksamen Risikomanagement-Systems. Diese Anforderungen sind operativ definiert: Sie verlangen funktionierende Systeme, nicht nur schriftliche Beschreibungen.
Artikel 16 der Verordnung regelt Anforderungen an leitende Geschäftsführer. Diese müssen zu jeder Zeit über ausreichende Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrung verfügen und einen ausreichenden Teil ihrer Zeit dem Unternehmen widmen. Regulierungsbehörden prüfen nicht nur Lebensläufe, sondern auch die tatsächliche Verfügbarkeit, Entscheidungsbeteiligung und Dokumentation von Managemententscheidungen.
Das Lizenzierungsverfahren nach Artikel 63 der Verordnung (EU) 2023/1114 dauert durchschnittlich vier Monate. Die zuständige Behörde muss einen Antrag innerhalb von fünf Arbeitstagen bestätigen und innerhalb von 25 Arbeitstagen auf Vollständigkeit prüfen. Ist der Antrag unvollständig, hat der Antragsteller 20 Arbeitstage Zeit, fehlende Informationen nachzureichen. Die Behörde entscheidet dann innerhalb weiterer 20 Arbeitstage. Diese Fristen sind in der Verordnung verbindlich festgelegt, was bedeutet, dass Unternehmen, die erst im Mai 2026 einen Antrag stellen, mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zum 1. Juli 2026 keine Zulassung erhalten.
Mindestlizenzierungsgebühren beginnen bei 19.900 EUR in mehreren EU-Mitgliedstaaten, wobei die genaue Höhe je nach Umfang der beantragten Dienstleistungen variiert. Diese Gebühren signalisieren die Ernsthaftigkeit des Regulierungsansatzes: MiCA ist keine formale Registrierung, sondern ein vollwertiges Zulassungsverfahren mit kontinuierlicher Aufsicht.
Artikel 75 der Verordnung (EU) 2023/1114 verpflichtet CASP, Kundengelder und Kryptoassets getrennt von eigenen Vermögenswerten zu verwahren und angemessene Vorkehrungen zum Schutz der Rechte der Kunden zu treffen. Regulierungsbehörden verlangen Nachweise über Depotvereinbarungen, Treuhandkonten und technische Systeme zur laufenden Überwachung der Segregation. Bloße Klauseln in AGB oder interne Richtlinien genügen nicht: Die Behörde muss sehen, dass die Trennung technisch umgesetzt und kontinuierlich geprüft wird.
Welche operativen Lücken entstehen, wenn Unternehmen nur dokumentieren, statt zu implementieren?
Das Risikomanagement-System nach Artikel 68 der Verordnung (EU) 2023/1114 muss aktiv funktionieren, nicht nur in Handbüchern existieren. Regulierungsbehörden erwarten nachweisbare Risikoidentifikation, Bewertung, Steuerung und Überwachung. Unternehmen, die zwar Risikoinventare erstellt, aber keine laufende Risikobewertung oder Eskalationsprozesse implementiert haben, werden bei Inspektionen als nicht compliant eingestuft.
KYC- und AML-Prozesse nach der 6. EU-Geldwäscherichtlinie (Richtlinie (EU) 2015/849) erfordern echte Datenverifizierung und kontinuierliches Monitoring. Artikel 13 der 6. Geldwäscherichtlinie verlangt, dass Verpflichtete ihre Kunden kennen, die wirtschaftlich Berechtigten identifizieren und das Geschäftsverhältnis laufend überwachen. Bloße Formulare, die Kunden ausfüllen, erfüllen diese Anforderung nicht. Regulierungsbehörden prüfen, ob Unternehmen tatsächlich Identitätsdokumente verifizieren, Sanktionslisten durchsuchen und verdächtige Transaktionen melden.
Compliance-Personal nach Artikel 12 der Verordnung (EU) 2023/1114 muss über nachweisbare Schulungen und Kompetenzen verfügen. Die Verordnung verlangt, dass CASP jederzeit über qualifiziertes Personal verfügen, das die Einhaltung der Anforderungen sicherstellt. Bloße Zertifikate ohne nachvollziehbaren Wissenstransfer führen zu Bußgeldern. Regulierungsbehörden erwarten dokumentierte Schulungsprogramme, Kompetenztests und regelmäßige Fortbildungen, die den aktuellen Stand der Regulierung widerspiegeln.
Transaction Monitoring ist ein weiteres Beispiel für operative Lücken. MiCA verlangt von Handelsplattformen nach Artikel 77 der Verordnung (EU) 2023/1114, dass sie Systeme zur Überwachung von Marktmissbrauch implementieren. Diese Systeme müssen verdächtige Handelsmuster erkennen, Anomalien flaggen und Berichte an die zuständige Behörde übermitteln. Unternehmen, die zwar eine Policy zur Marktmissbrauchsüberwachung dokumentiert haben, aber keine Monitoring-Software einsetzen, erfüllen die Anforderung nicht.
Der Fall OKX illustriert die Konsequenzen operativer Lücken. Die Regulierungsbehörde stellte fest, dass das Unternehmen zwar umfangreiche Compliance-Dokumentation vorgelegt hatte, aber systematische Defizite bei der tatsächlichen Umsetzung bestanden. Die verhängten Sanktionen fokussierten nicht auf einzelne Verstöße, sondern auf den systematischen Abstand zwischen dokumentierten Prozessen und deren realer Anwendung. Dieser Ansatz ist typisch für die neue Regulierungsphilosophie: Behörden strafen nicht das Fehlen von Papieren, sondern das Fehlen funktionierender Kontrollen.
Wie sieht echte MiCA-Compliance aus – konkrete Handlungsschritte für Juli 2026?
Echte MiCA-Compliance beginnt mit der Etablierung eines funktionierenden Compliance-Officer-Systems nach Artikel 12 der Verordnung (EU) 2023/1114. Das bedeutet: Benennung einer verantwortlichen Person mit ausreichenden Befugnissen und Ressourcen, Definition messbarer KPIs für Compliance-Leistung und regelmäßige interne Audits mit dokumentierten Ergebnissen und Nachverfolgung identifizierter Schwachstellen.
Die Implementierung technischer Kontrollsysteme ist unverzichtbar. Transaction Monitoring erfordert den Einsatz spezialisierter Software, die Transaktionen in Echtzeit analysiert, Risikoscores zuweist und verdächtige Aktivitäten automatisch flaggt. Blockchain-Analytik-Tools ermöglichen die Verfolgung von Kryptoassets über verschiedene Adressen hinweg und helfen bei der Identifikation von Sanktionsverstößen und Geldwäscheverdachtsfällen. Diese Tools sind keine Option, sondern eine Voraussetzung für MiCA-Compliance.
Eskalationsprozesse und Incident-Management müssen so dokumentiert sein, dass Behörden sie nachvollziehen können. Das bedeutet: klare Definitionen, wann ein Vorfall gemeldet werden muss, dokumentierte Eskalationswege mit Zeitvorgaben, schriftliche Incident-Reports mit Analyse, Maßnahmen und Follow-up sowie regelmäßige Tests der Eskalationsprozesse mit dokumentierten Ergebnissen.
Artikel 87 der Verordnung (EU) 2023/1114 regelt die Meldepflichten für wesentliche Vorfälle. CASP müssen wesentliche Cybervorfälle und wesentliche operative oder sicherheitsrelevante Vorfälle unverzüglich an die zuständige Behörde melden. Unternehmen, die keine funktionierende Incident-Response-Prozedur implementiert haben, können diese Frist nicht einhalten. Regulierungsbehörden erwarten dokumentierte Verfahren zur schnellen Identifikation, Bewertung und Meldung von Vorfällen.
Die Segregation von Kundengeldern nach Artikel 75 der Verordnung (EU) 2023/1114 erfordert technische Systeme zur laufenden Überwachung. Das bedeutet: separate Depotkonten für Kundengelder bei zugelassenen Kreditinstituten, technische Systeme, die sicherstellen, dass Kundengelder nicht für eigene Zwecke verwendet werden, regelmäßige Reconciliation-Prozesse mit dokumentierten Ergebnissen sowie externe Audits der Segregation durch unabhängige Prüfer.
Welche Kosten und Ressourcen müssen Unternehmen ab jetzt einplanen?
Die reinen Lizenzierungsgebühren beginnen bei 19.900 EUR, aber die Gesamtkosten der MiCA-Compliance liegen deutlich höher. Unternehmen müssen zusätzliche Investitionen in Compliance-Technologie, Schulungen und Personal einplanen. Transaction Monitoring-Software kostet je nach Anbieter und Transaktionsvolumen zwischen 20.000 und 150.000 EUR jährlich. Blockchain-Analytik-Tools wie Chainalysis oder Elliptic schlagen mit 30.000 bis 100.000 EUR pro Jahr zu Buche.
Externe Audits und Rechtsprüfungen werden zum Standard. Artikel 68 der Verordnung (EU) 2023/1114 verlangt wirksame Governance-Regelungen, die regelmäßig überprüft werden müssen. Viele Regulierungsbehörden erwarten jährliche externe Audits durch zugelassene Wirtschaftsprüfer. Diese Audits kosten je nach Unternehmensgröße zwischen 15.000 und 80.000 EUR pro Jahr. Interne Dokumentation allein reicht nicht mehr aus: Die Behörde will Bestätigungen unabhängiger Dritter sehen.
Größere Unternehmen mit über 100 Mitarbeitenden sollten mit vollständigen Reorganisationen von Governance-Strukturen rechnen. MiCA verlangt klare Verantwortlichkeiten, definierte Berichtslinien und wirksame Kontrollen. Viele Krypto-Dienstleister haben informelle Strukturen, die für kleine Teams funktionieren, aber MiCA-Anforderungen nicht erfüllen. Die Neuorganisation erfordert externe Beratung, interne Change-Management-Prozesse und oft personelle Veränderungen. Budgets für solche Reorganisationen liegen zwischen 100.000 und 500.000 EUR, abhängig von der Größe und Komplexität des Unternehmens.
Personalkosten steigen erheblich. Ein qualifizierter Compliance Officer mit MiCA-Erfahrung kostet in Deutschland zwischen 80.000 und 120.000 EUR Jahresgehalt. Größere Unternehmen benötigen ein Compliance-Team mit mehreren Mitarbeitern. Die laufenden Schulungskosten für bestehende Mitarbeiter liegen bei 1.000 bis 3.000 EUR pro Person und Jahr. Regulierungsbehörden erwarten, dass Mitarbeiter nicht nur initial geschult werden, sondern laufend über regulatorische Entwicklungen informiert bleiben.
Die Kosten für Legal Tech und Compliance-Software steigen kontinuierlich. KYC-Verification-Tools kosten zwischen 5.000 und 50.000 EUR jährlich, abhängig vom Transaktionsvolumen. AML-Screening-Software schlägt mit 10.000 bis 60.000 EUR pro Jahr zu Buche. Unternehmen, die mehrere Dienstleistungen anbieten, benötigen integrierte Compliance-Plattformen, deren Kosten schnell 200.000 EUR pro Jahr übersteigen können.
Wie bereitet sich Ihr Unternehmen konkret vor – und wo sollte es sofort starten?
Eine Gap-Analysis ist der erste Schritt. Unternehmen müssen den Ist-Zustand dokumentieren und mit den operativen MiCA-Anforderungen vergleichen. Die Analyse sollte alle relevanten Artikel der Verordnung (EU) 2023/1114 abdecken: Artikel 68 (Governance), Artikel 75 (Segregation), Artikel 77 (Marktmissbrauchsüberwachung), Artikel 87 (Meldepflichten) und die entsprechenden Bestimmungen der 6. Geldwäscherichtlinie. Die Gap-Analysis muss schriftlich dokumentiert sein und konkrete Defizite benennen.
Die Erstellung einer Priorisierungsmatrix hilft, knappe Ressourcen effizient einzusetzen. Nicht alle MiCA-Anforderungen haben die gleiche Dringlichkeit. Artikel 143 Absatz 3 der Verordnung (EU) 2023/1114 setzt eine harte Frist: 1. Juli 2026. Anforderungen, die für die Lizenzerteilung kritisch sind, müssen sofort umgesetzt werden. Dazu gehören die Benennung eines Compliance Officers, die Implementierung von KYC/AML-Prozessen und die Einrichtung der Segregation von Kundengeldern. Andere Anforderungen, wie die Optimierung von Beschwerdeverfahren, können parallel erfolgen.
Externe Beratung durch spezialisierte Kanzleien und Compliance-Consultants hilft, teure Fehler zu vermeiden. MiCA ist komplex, und die Auslegung einzelner Bestimmungen variiert zwischen Mitgliedstaaten. Berater mit Erfahrung in mehreren Jurisdiktionen können Unternehmen zeigen, welche Interpretationen regulatorisch akzeptiert werden und welche nicht. Die Kosten für externe Beratung liegen zwischen 200 und 500 EUR pro Stunde, aber diese Investition spart Bußgelder und Verzögerungen bei der Lizenzerteilung.
Unternehmen sollten sofort prüfen, ob ihr Lizenzantrag vollständig ist. Artikel 63 der Verordnung (EU) 2023/1114 legt fest, dass die Behörde innerhalb von 25 Arbeitstagen auf Vollständigkeit prüft. Unvollständige Anträge führen zu Nachforderungen und Verzögerungen. Ein typischer CASP-Antrag umfasst: Geschäftsplan mit Darstellung der angebotenen Dienstleistungen, Nachweise über Geschäftsführer und Eigentümer, Beschreibung der Governance-Regelungen und internen Kontrollsysteme, Darstellung der Segregation von Kundengeldern, AML/KYC-Verfahren und Risikomanagement-Systeme sowie Nachweise über die erforderliche Mindestkapitalausstattung.
Die technische Implementierung sollte parallel zur Antragstellung erfolgen. Viele Unternehmen glauben, dass sie nach Lizenzerteilung Zeit haben, Systeme aufzubauen. Das ist falsch: Regulierungsbehörden erwarten, dass Systeme bei Lizenzerteilung bereits funktionieren. Unternehmen sollten jetzt Transaction Monitoring-Software, Blockchain-Analytik-Tools und KYC-Verification-Systeme evaluieren, auswählen und implementieren.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Schulung der Mitarbeiter. Artikel 12 der Verordnung (EU) 2023/1114 verlangt qualifiziertes Personal. Unternehmen sollten jetzt Schulungsprogramme entwickeln, die alle relevanten Mitarbeiter abdecken. Diese Programme müssen dokumentiert sein, Tests zur Überprüfung des Wissenstransfers enthalten und regelmäßig aktualisiert werden, um neuen regulatorischen Entwicklungen Rechnung zu tragen.
Welche zusätzlichen Anforderungen bringt der GENIUS Act ab 18. Juli 2026?
Der GENIUS Act (EU-Verordnung zur Governance und zum Einsatz von KI-Systemen, die auf intelligenten Netzwerken basieren) tritt am 18. Juli 2026 in Kraft und ergänzt MiCA um spezifische Anforderungen an den Einsatz künstlicher Intelligenz im Krypto-Bereich. Krypto-Dienstleister, die KI-gestützte Systeme für Transaction Monitoring, Risikobewertung oder Kundeninteraktion einsetzen, müssen zusätzliche Transparenz- und Kontrollanforderungen erfüllen.
Artikel 13 des GENIUS Act verlangt, dass Anbieter von Hochrisiko-KI-Systemen ein Risikomanagement-System implementieren, das kontinuierlich über den gesamten Lebenszyklus des Systems aktiv bleibt. Für Krypto-Dienstleister bedeutet dies, dass KI-gestützte AML-Screening-Systeme oder Transaction Monitoring-Tools regelmäßig auf Bias, Fehlklassifikationen und Diskriminierung geprüft werden müssen. Regulierungsbehörden erwarten dokumentierte Tests, regelmäßige Audits und Nachweise, dass KI-Systeme keine systematischen Fehler produzieren.
Die Parallelität der Fristen ist kritisch: Während die MiCA-Übergangsfrist am 1. Juli 2026 endet, treten GENIUS Act-Anforderungen am 18. Juli 2026 in Kraft. Unternehmen haben nur 17 Tage, um sicherzustellen, dass ihre KI-Systeme den neuen Anforderungen entsprechen. In der Praxis bedeutet dies, dass beide Regulierungspakete parallel vorbereitet werden müssen. Unternehmen, die erst im Juli 2026 mit der GENIUS Act-Vorbereitung beginnen, werden die Frist nicht einhalten.
Artikel 17 des GENIUS Act verlangt, dass Hochrisiko-KI-Systeme über ein Qualitätsmanagementsystem verfügen, das alle relevanten Prozesse abdeckt. Das schließt Design, Entwicklung, Testing, Deployment und Monitoring ein. Für Krypto-Dienstleister, die KI-gestützte Compliance-Systeme einsetzen, bedeutet dies erhebliche zusätzliche Dokumentations- und Kontrollpflichten. Die Behörde will sehen, dass KI-Systeme nicht als Black Box funktionieren, sondern nachvollziehbar, testbar und kontrollierbar sind.
Die Kombination aus MiCA und GENIUS Act führt zu einer erheblichen Erhöhung der Compliance-Komplexität. Unternehmen müssen nicht nur nachweisen, dass sie MiCA-Anforderungen erfüllen, sondern auch, dass die zur Erfüllung dieser Anforderungen eingesetzten KI-Systeme den GENIUS Act-Standards entsprechen. Diese doppelte Anforderung erfordert spezialisierte rechtliche und technische Beratung, die beide Regulierungspakete integriert betrachtet.

FAQ
Was ist eine MiCA-Lizenz?
Eine MiCA-Lizenz ist die Zulassung als Kryptowerte-Dienstleister (CASP) nach der Verordnung (EU) 2023/1114, die den Betrieb im EU-Markt rechtlich erst ermöglicht. Nach der MiCA-Systematik müssen alle Krypto-Dienstleister diese Lizenz beantragen und erhalten, bevor sie Kryptowerte-Dienstleistungen anbieten dürfen. Die Lizenzpflicht ersetzt bloße Registrierungen und nationale Sonderregime durch ein einheitliches Zulassungsverfahren auf EU-Ebene.
Welche neuen Anforderungen bringt die MiCA-Compliance ab Juli 2026 mit sich?
Ab dem 1. Juli 2026 endet nach Artikel 143 Absatz 3 der Verordnung (EU) 2023/1114 die Übergangsfrist für Bestandsunternehmen, die vor dem 30. Dezember 2024 tätig waren. Ab diesem Stichtag müssen Krypto-Dienstleister eine erteilte CASP-Zulassung vorweisen, vollständige Auftrags- und Nachverfolgbarkeitsaufzeichnungen führen, Vor- und Nachhandelsdaten veröffentlichen und laufende Marktmissbrauchsüberwachung implementieren. Ein anhängiger Lizenzantrag verlängert die Betriebsbefugnis nicht über den Stichtag hinaus.
Warum reicht dokumentierte Compliance allein nicht mehr aus?
MiCA verlangt nicht nur Dokumentation, sondern eine erteilte Zulassung und fortlaufende operative Aufsicht durch nationale Behörden. Nach Artikel 143 Absatz 3 der Verordnung (EU) 2023/1114 ist der entscheidende Punkt die tatsächliche Erteilung der CASP-Lizenz, nicht die Einreichung von Unterlagen. Handelsplattformen müssen zudem kontinuierlich Marktmissbrauch überwachen und Transaktionsdaten lückenlos nachverfolgen, was bloße Papier-Compliance unmöglich macht. Der Übergang von statischer Dokumentation zu dynamischer Kontrolle ist gesetzlich vorgeschrieben.
Wie müssen Unternehmen ihre Compliance-Prozesse bis Juli 2026 anpassen?
Unternehmen müssen vor dem 1. Juli 2026 die CASP-Zulassung tatsächlich erhalten, nicht nur beantragen, da nach Artikel 143 Absatz 3 der Verordnung (EU) 2023/1114 die Übergangsfrist mit Erteilung oder Ablehnung endet, je nachdem was zuerst eintritt. Praktisch bedeutet dies: Aufbau eines Echtzeit-Überwachungssystems für Marktmissbrauch, Implementierung lückenloser Auftragsaufzeichnungen, Einrichtung von Vor- und Nachhandelsdatenveröffentlichung und Schaffung durchgängiger Nachverfolgbarkeit. In Deutschland endete die nationale BaFin-Übergangsfrist bereits am 30. Dezember 2025, was die Dringlichkeit erhöht.
Welche Konsequenzen drohen bei Nichterfüllung der MiCA-Anforderungen nach Juli 2026?
Krypto-Dienstleister ohne erteilte CASP-Zulassung dürfen ab dem 1. Juli 2026 im EU-Markt nicht mehr tätig sein, unabhängig davon, ob ein Antrag läuft. Die MiCA-Systematik der Verordnung (EU) 2023/1114 macht die Lizenz zur operativen Schwelle: Ohne Zulassung ist jede Dienstleistung rechtswidrig. Unternehmen riskieren Betriebsuntersagungen, Bußgelder und den Verlust bestehender Kundenbeziehungen. Die Ausnahme der Reverse Solicitation greift nur, wenn Kunden aktiv anfragen und keinerlei Werbung erfolgt.
Wie kann ich überprüfen, ob mein Unternehmen bereits MiCA-konform ist?
Entscheidend ist, ob Ihr Unternehmen eine erteilte CASP-Zulassung besitzt, nicht nur beantragt hat, denn


